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View Full Version : Todestag Horst Wessels


heaven above
02-25-2005, 08:54 PM
Behutsam vom Wind getragen gleiten die Schneeflocken zu Boden. Nur die Stimmen einer Diskussion durchbrechen die Stille an diesen weißen Februartag. Neugierig und irritiert wirken die Gesichter beim betrachten eines Plakats. Immer wieder gleiten ihre Blicke über die Zeilen: "Am 23. Februar 1930 hörte ein starkes Herz auf zu schlagen."

Damals, vor 75 Jahren, wollte es keiner glauben, als die Todesnachricht durch Deutschland ging. Kameraden, die zum engeren Kreis des jungen Sturmführers Horst Wessel gehörten, hatten es schon seit langem befürchtet und ließen nichts unversucht, ihn den großen Gefahren zu entziehen. Kommunistische Verbrecher waren ihm dauernd auf der Spur und hetzten ihn wie angeschossenes Wild. Sie waren der Überzeugung, nur Wessel sei schuld, daß ihre roten Hochburgen ins Wanken gerieten, daß die besten Aktivisten ihre Front verließen und nun unter Wessels Kommando gegen sie kämpften.

Es war am Abend des 14. Januar, als die Wirtin Salem in ein kommunistisches Lokal ging um dort einer auserlesenen Verbrechergesellschaft mitzuteilen, daß Horst Wessel sich in ihrer vermieteten Wohnung befindet. Bald darauf klopfte es an Wessels Tür. Als er öffnete feuerte man auf ihn. In den Mund getroffen brach Horst Wessel blutüberströmt zusammen. 'Mordanschlag auf einen nationalsozialistischen Studenten' titelten die Berliner Zeitungen, während Horst Wessel im Krankenhaus Friedrichshain auf Genesung hofft. Doch die Hoffnung nahm ein jähes Ende. Am Morgen des 23. Februar 1930 erlag Horst Wessel einer Blutvergiftung.

Am 1. März, einem grauen, schweren Tag, gab das deutsche Berlin dem toten Sturmführer das letzte Geleit. Die Polizei verbot einen Trauerzug, nur 10 Wagen durften den Leichenzug, begleitet von Polizisten mit Gummiknüppeln in der Hand, folgen. Schwarze Menschenmauern grüßten in den Straßen zum letzten mal den großen Märtyrer. Doch ein toter Märtyrer schafft tausend lebende Bekenner welche auch heute noch, 75 Jahre nach dem feigen Mord, überall im Land aufstehen um die Fahne in die Zukunft zu tragen.

Um den leidenschaftlichen Kampf Horst Wessels nachzuempfinden, kamen am vergangenen Wochenende Widerstandskämpfer aus fünf Bundesländern nach Süd-Ost Brandenburg. 'Der unbekannte politische Soldat ist der eigentliche Held unserer Bewegung' hieß es in einem Vortrag über das politische Soldatentum und das Feuer eines jeden Herzen loderte, als vom kühnen Freiheitskampf des jungen Sturmführers berichtet wurde.

Es ist das Lebensfeuer, das in ihren Herzen brennt und sie immer wieder zwingt, die Dinge um sie herum in Frage zu stellen und außerhalb der Grenzen von Routine und Vorschriften zu handeln. Viele der schlafenden und blinden können diese Zwang, diese Leidenschaft nicht verstehen. Sie können sich nicht vorstellen, daß es etwas anderes gibt, das Bedeutung haben kann, als ihre materielle Sicherheit. Sie glauben das bereits alles ohne sie entschieden worden ist, so als ob ihr Leben nur als Zuschauer gelebt werden kann. Ihre Herzen mögen noch schlagen, doch ihr Leben ist zu einem bloßen Überleben geworden. So schaufeln sie sich ihre eigenen Gräber, in all den Kaufhäusern, den Nachtbars und in den Sesseln vor ihren Fernsehapparaten.

'Am 23. Februar 1930 hörte ein starkes Herz auf zu schlagen'. Diesen Satz werden heute, an diesen weißen Februartag, noch viele von ihnen in den Städten Süd-Ost Brandenburgs lesen. Wenn sie auch das Leuchten dieses Märtyrer nicht sehen können, in unsere Herzen hat er das Feuer getragen!

"Für jeden, der als Freiheitspfand
sein junges Leben läßt,
stehen hunderte auf im ganzen Land
und stehn zur Fahne fest."
Heinrich Annacker



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